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Mitsubishi baut nicht nur Autos

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Der Autobauer Mitsubishi Motors ist nur eines der vielen Unternehmen, die zum Mitsubishi Konzern gehören. Das machte der Physiker Yasuhiro Iwamura überdeutlich, denn er stellte auf der Fachkonferenz zur Kernphysik kondensierter Materie im französischen Marseille Ergebnisse seiner Arbeitsgruppe vor, die am Zentrum für fortgeschrittene Technologien der Mitsubishi Heavy Industries forscht. Dabei beschrieb er einen Effekt, der häufig im Zusammenhang mit der umstrittenen kalten Kernfusion beobachtet wurde: die Umwandlung eines chemischen Elements in ein anderes (Transmutation) mit relativ einfachen Labormitteln. Solche künstlichen Umwandlungen benötigen üblicherweise aufwändige technische Apparaturen wie einen Kernreaktor oder einen Teilchenbeschleuniger.

Der experimentelle Aufbau der Forscher bestand dagegen im Wesentlichen aus einer Mischung Palladium und Calciumoxid zwischen einer dünnen Palladium-Schicht und einem noch dünneren Palldium-Film. Auf dem Film wurden fein verteilt Caesium- oder Strontium-Atome aufgebracht. Die Seite mit dem Palladium-Film wurde schließlich Deuterium-Gas ausgesetzt und die andere Seite dem Vakuum. Bei den Versuchen durchdrang das Deuterium-Gas (schwerer Wasserstoff) mehrere Tage lang die Palladium-Schichten, und mit verschiedenen Spektrometern wurden die Atome auf dem Palladium-Film beobachtet. Bei den Experimenten mit Caesium-Atomen verschwanden diese nach und nach, während Praeseodym-Atome auftauchten. Ähnlich wurden bei den Experimenten mit Strontium-Atomen diese durch Molybdaen-Atome ersetzt. Aufgrund des ungewöhnlichen Isotopenverhältnisses wurde geschlossen, dass es sich nicht um herkömmliches Molybdaen in Form einer Verunreinigung handelt.

Man kann hier spekulieren, dass mehrere Deuterium-Atome mit den Caesium- und Strontium-Atomen reagieren und sich dabei in Praeseodym- und Molybdaen-Atome umwandeln (Transmutation).

Iwamura und seine Kollegen haben ihre Ergebnisse 2002 im angesehenen Fachmagazin Japanese Journal of Applied Physics veröffentlicht (Japn. J. Appl. Phys. Vol 41 (2002) p. 4642, Elemental Analysis of Pd Complexes: Effects of D2 Gas Permeation; siehe auch: Mitsubishi Heavy Industries, Ltd., Technical Rewiew, Vol. 42, No. 1, Feb. 2005). Forschungsgruppen der japanischen Universitäten von Osaka und Schizuoka sowie dem italienischen Nationalinstitut für Kernphysik konnten die Experimente in ähnlicher Form erfolgreich nachvollziehen.

Noch eine Spekulation: Falls sich der Transmutations-Effekt nicht als Fehler im Experiment erweist, lassen sich eines Tages vielleicht radiaktive Abfälle entschärfen. Mitsubishi Heavy Industries würde dies recht sein, denn der Konzern baut auch Kernkraftwerke.

Hintergrund

Die Elektrochemiker Stanley Pons und Martin Fleischmann verkündeten 1989 auf einer Pressekonferenz, dass ihnen auf ihrem Labortisch vermutlich die Kernfusion von schwerem Wasserstoff (Deuterium) gelungen sei, etwas das die Sonne nur bei einigen Millionen Grad Celsius schafft. Die Fachwelt konnte ihre Experimente größtenteils nicht reproduzieren und verwarf sie als fehlerhaft. Obwohl von dieser Fachwelt ignoriert oder als "schlechte" Wissenschaft behandelt, wurde die vermutete kalte Fusion weltweit von einigen Forschern weiter untersucht.

Inzwischen gibt es eine unüberschaubare Zahl wissenschaftlicher Experimente und Veröffentlichungen zu diesem Thema. Im Laufe der Zeit wurden verschiedene experimentelle Ansätze verwendet, die teilweise mit dem ursprünglichen Experiment wenig Ähnlichkeit haben. Auch lassen sich die beobachteten Effekte und Anomalien wie die Produktion von Überschussenergie und die Umwandlung chemischer Elemente nicht mehr unter dem Begriff "kalte Fusion" zusammenfassen. Daher wurden die umfassenderen Begriffe "Low Energy Nuclear Reactions" (LENR, niederenergetische Kernreaktionen) und "Chemically Assisted Nuclear Reactions" (CANR, chemisch unterstützte Kernreaktionen) geprägt.

Da Forschungsergebnisse zu LENR in Fachjournalen der etablierten Wissenschaft selten veröffentlicht werden, haben die LENR-Forscher ihr eigenes Kommunikationsnetzwerk aufgebaut. So ist beispielsweise die Webseite www.lenr-canr.org inzwischen zu einer umfassenden Forschungsdatenbank gewachsen. LENR-Forscher treffen sich außerdem regelmäßig auf der International Conference on Condensed Matter Nuclear Science (ICCF), ehemals bezeichnet als International Conference on Cold Fusion.

Material, das von der etablierten Wissenschaft, ausgewertet und (hoffentlich unvoreingenommen) bewertet werden könnte, liegt also reichhaltig vor. Wenn etwas dran ist, gibt es genug sinnvolle Anwendungen von der praktisch unerschöpflichen Energiequelle bis zur Vernichtung radioaktiven Materials. Die wissenschaftliche Hauptströmung hinkt ihrer Nebenströmung allerdings 16 Jahre hinterher.

Links

Deutschlandradio
Wird der Traum der Alchemie wahr?
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/359485/

Mitsubishi Heavy Industries, Ltd.
Technical Review, Vol. 42, No.1 (2005)
incl. "Observation of Nuclear Transmutation Induced by Deuterium Permeation through Pd Complex"
http://www.mhi.co.jp/tech/htm/00421t/e00421tc.htm

Yasuhiro Iwamura et al.
Elemental Analysis of Pd Complexes: Effects of D2 Gas Permeation
http://www.lenr-canr.org/acrobat/IwamuraYelementalaa.pdf

Yasuhiro Iwamura
Lecture at the last International Conference on Condensed Matter Nuclear Science in Marseille, France
http://lenr-canr.org/acrobat/IwamuraYobservatiob.pdf

International Conference on Condensed Matter Nuclear Science ICCF-11
(Marseille, France, 31 Oct. - 5 Nov., 2004)
http://www.iccf11.org

New Energy Times™, January 10, 2005, Issue #8
http://newenergytimes.com/news/NET8.htm

LENR-Forschungsdatenbank und Einführung in das Thema
http://www.lenr-canr.org

Nationalinstitut für Kernphysik, Italien
http://www.lnf.infn.it

 

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 07. April 2010 um 19:26 Uhr